Papierkram / Papierkram
Ich versuche immer vieles digital zu machen. Seien es Notizen, Texte, Termine oder sonstiges. Neben der netten Eigenschaft, dass man von digitalen Daten leicht eine sichere Redundanz erzeugen kann, haben sie den Vorteil, dass ich kein Papier verschwenden muss. “Verschwenden” deswegen, da die meisten Zettel – wenn überhaupt – teilweise beschrieben, einmal angesehen und anschließen weggeworfen werden. Man denke nur einmal an die E-Mail-Ausdrucker, die man so kennt…
Papier hin oder und her
Neulich bekam ich (mal wieder) einen prall gefüllten Brief der Deutschen Rentenversicherung. Seit meine Mutter vor einigen Jahren verstorben ist, habe ich einen Anspruch auf Halbwaisenrente, der regelmäßig überprüft wird. Die Überprüfung sieht so aus, dass in dem Anschreiben mehrseitige Formulare im Anhang mitgeschickt werden, die es auszufüllen und zurückzuschicken gilt. Natürlich sind in den Formularen alle möglichen Fälle und Möglichkeiten berücksichtigt, sodass man im Regelfall nur einen Bruchteil der Formulare tatsächlich ausfüllen muss. Was mich aber wirklich an dem zugeschickten Wulst von Formularen stört ist, dass diese auch als komfortable PDF-Formulare auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung zur Verfügung stehen. Wenn ich mich nun zur Beantwortung der Nachprüfung für die digitale Version entscheide, die ich stets bevorzugen würde, war das Anhängen der Papier-Formulare seitens der Rentenversicherung leider schon überflüssig.
Wirklich sichere Übermittlung
Bis vor ein paar Tagen wusste ich nicht, wie mein Arbeitsverhältnis bei meiner Firma nach meiner Prüfung kommende Woche weiterlaufen wird. Der Deutschen Rentenversicherung nun eine Antwort über meine momentane Arbeitssituation zu übermitteln machte keinen Sinn, da innerhalb der nächsten Tage bereits eine weitere Überprüfung der neuen Situation hätte folgen müssen. Ich entschloss mich daher, bei der Deutschen Rentenversicherung anzurufen und eine Vertagung bis nach meiner Prüfung und Klärung meines Arbeitsverhältnisses auszumachen.
Nach einiger Zeit in der Warteschleife, machte die ebenfalls auf dem Schreiben abgedruckte E-Mail-Adresse einen sympathischeren Eindruck auf mich. Ich formulierte kurz mein Anliegen in einer Mail und schickte sie, natürlich PGP-signiert ab. Auch wenn ich es bei Renteninformationen nett gefunden hätte, ging ich nicht davon aus, dass man an eine mögliche Verschlüsselung der Informationen denken würde.
Zu meinem Erstauen dachte man aber tatsächlich an Datensicherheit, wenn auch etwas anders als ich das getan hätte:
”Eingangsbestätigung Ihrer E-Mail[...]
Bitte beachten Sie dazu Folgendes:
Bei unverschlüsselter Datenübermittlung per E-Mail kann weder die Vertraulichkeit Ihrer Daten noch die Authentizität des Absenders gewährleistet werden. [...]
Aus dem gleichen Grund werden wir Ihnen auf Ihre E-Mails in der Regel auf dem Postweg antworten.[...]“
Wieder Papier, das ich nicht brauche.
Alles eine Frage des Vertrauens…
Warum findet überhaupt diese ganze Kommunikation auf dem Postweg statt? Neben der Tatsache, dass man wohl nicht von jedem Bürger die E-Mail-Adresse im Telefonbuch findet, werden hier die meisten wohl mit der Rechtsgültigkeit des Briefverkehrs argumentieren. Einen Brief kann man schließlich unterschreiben lassen und sicher sein, dass alles seine Richtigkeit und Gültigkeit hat. Oder?
Als Informatiker lernt man, das Sicherheit alles eine Frage des Vertrauens ist. Wenn ich mich z.B. bei Ebay anmelde, bestätigt ein Dritter, z.B. VeriSign, dass die Seite, der ich mein Passwort übermittele, tatsächlich zu Ebay gehört und vertrauenswürdig ist.
Aber wer sagt mir, dass ich dem Dritten vertrauen kann?
Das gleiche Problem haben wir auch bei unterschriebenen Dokumenten. Ist ein Dokument, das jemand, den ich nicht kenne und vor allem, dessen Unterschrift ich nicht kenne, tatsächlich vertrauenswürdig?
Meiner Meinung nach ist ein unterschriebenes Dokument nicht mehr wert als eine einfache E-Mail.
Was ist erforderlich?
Ich habe vor einiger Zeit bei der GEZ mich für die “Neuen Medien” angemeldet. Abgebucht wurde seit dem noch nichts. Ich weiß auch wieso: Ich bekam per Post eine Einzugsermächtigung für das Lastschriftverfahren, die ich unterschreiben und zurückschicken sollte.
Wozu? Ich bezahle immer wieder Dinge mit Lastschrift, sei es bei Amazon oder neulich das erste Mal mit über meine Xbox und ich brauchte keine Ermächtigung unterschreiben.
Naja, vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis digitale Methoden umständlichen Papierkram ablösen werden. So lange muss ich meinen Briefkasten wohl noch hängen lassen…
PS: Ich halte das Lastschriftverfahren aufgrund von Kontrollierbarkeit und Sicherheit für äußerst fragwürdig, weswegen ich hier Ermächtigungen pauschal für angebracht halte. Aber doch bitte kurz und sicher z.B. online per PIN/TAN und nicht per Brief. ;)





